Susie Asado

In English:
Susie Asado – Onward Aeropuerto (2013)

Susie Asado is a hybrid being. A poem become flesh, a name become music. A band and a concept, a costume and a story. Susie Asado is a fin-de-siècle figure, an exotic señora, a modern Undine – a starfish in her hair, a ukulele in her left hand and a suitcase in her right. She lives everywhere and nowhere; she’s stranded in transit. Proudly she carries her head in the clouds, a smile on her red lips, and she keeps going and going and going, with a determined step, on to the next station, the next concert, the next album.

Susie Asado is a fictional character and an optical illusion. At the center of the project, which dates back to 2007, is the singer-songwriter Josepha Conrad, a long-time resident of Berlin who grew up in Frankfurt and Chicago. Conrad has gathered a whole community of musicians around her – with constants and variables.

Now, following Hello Antenna (2008, lolila) and Traffic Island (2011, KOOK-Label), Susie Asado is releasing her third album, Onward Aeropuerto (also on KOOK). If Traffic Island was about all the things we own and that define us (giving rise to the suspicion that it’s the things that own us and not the other way around), the lyrics on Onward Aeropuerto explore the endless bricolage that is life and the way in which the here and now constantly elude us, leaving us somewhere between retrospection and projection. Onward Aeropuerto is about life as attribution, as a cloud, fleeting and wide open. About the illusion that it’s in our hands.

The songs’ protagonists are virtuosos of self-invention, deceit and self-deceit: spies, con artists, scammers. They are literally masters in the art of living, with their canvases their own lives and the lives of others. All of them are swindlers and professional winkers; Susie herself is no exception. At the heart of most of the pieces on the album is the awareness that this game can hurt too.

While on Traffic Island Marko Hefele’s violin and percussion and Tomi Simatupang’s guitar spun a dreamy web around Conrad’s voice, on the new album it stands on its own as the defining component of the songs. In places it comes across as amazingly delicate and fragile. This does not mean, however, that the arrangements are any less playful – they just do their work more subtly. This might be due especially to Noël Rademacher’s drums, which have been a regular feature in the band’s live performances for a while now. This new Susie Asado dynamic was perfectly captured in the studio.

The concentration on individual elements also characterizes the guest appearances on Onward Aeropuerto. Thus on “Retrospective,” a slightly distorted theremin (Alexander Paulick-Thiel) whirrs out of the depths of nothing into the foreground of the song, whose oscillating sound is as surreal as it is confounding. Thus Matt Colbourn’s trumpets stage “Monstera Deliciosa” as a rousing Kurt Weill piece. Thus members of the Canadian band The Burning Hell (Ariel Sharratt, Mathias Kom) flirt with and add their rhythms to three of the album’s tracks (“Monstera Deliciosa,” “The Ballad of Johnny,” and “Onward Aeropuerto”) with their instruments, giving them a sound reminiscent of Brecht ballads.

No coincidence here: since the birth of pop music, that sound has been the score of the demimonde, of noir, and of the cabaret. And that’s right where we find Susie Asado, standing on stage underneath a wreath of light bulbs, singing her songs with an always watchful eye. Is there a policeman in the audience, an operative? – Catch her if you can!

Auf Deutsch:
Susie Asado – “Onward Aeropuerto” (2013)

Susie Asado ist ein Zwischenwesen. Ein Fleisch gewordenes Gedicht, ein Musik gewordener Name. Eine Band und eine Vorstellung, ein Kostüm und eine Erzählung. Susie Asado ist eine Figur des Fin de Siécle, eine exotische Señora, eine moderne Undine – Seestern im Haar, Ukulele in der linken, Koffer in der rechten Hand. Sie lebt überall und nirgends, gestrandet im Transit. Sie trägt den Kopf in den Wolken, stolz, ein Lächeln auf den roten Lippen und geht weiter weiter weiter, festen Schritts, zur nächsten Station, dem nächsten Konzert, dem nächsten Album.

Susie Asado ist eine Kunstfigur und ein Vexierbild. Im Zentrum des Projekts, das es seit 2007 gibt, steht die Singer/-Songwriterin Jospeha Conrad, die in Chicago und Frankfurt am Main aufwuchs und seit längerer Zeit in Berlin lebt. Sie hat eine Reihe von Musikern um sich versammelt – mit Konstanten und Variablen.

Nach “Hello Antenna” (2008, lolila) und “Traffic Island” (2011, KOOK-Label) erscheint nun erneut auf dem KOOK-Label Susie Asados drittes Album “Onward Aeropuerto”. Ging es bei “Traffic Island” um die ganzen Dinge, die wir besitzen und die uns prägen (was die Frage aufwarf, ob es nicht umgekehrt ist, ob die Dinge nicht vielmehr uns besitzen und nicht wir sie) drehen sich die Texte bei “Onward Aeropuerto” nun um die endlose Bricolage am eigenen Leben. Um das sich entziehende Hier und Jetzt, immer zwischen Retrospektive und Projektion. Um das Leben als Zuschreibung, als Wolke, flüchtig und völlig offen. Um die Illusion, dass es in unserer Hand liegt.

Die Protagonisten der Lieder sind Virtuosen der Selbsterfindung, des Betrugs und des Selbstbetrugs: Spione, Trickbetrüger, Heiratsschwindler. Lebenskünstler im Wortsinne, deren Rohstoff die Biographie ist, ihre eigene und die ihrer Opfer. Alle sind Schwindler und professionelle Zwinkerer, Susie nimmt sich da nicht aus. Dass dieses Spiel aber auch weh tut, das ist der Kern der meisten Stücke.

Wurde Josepha Conrads Stimme auf dem Vorgängeralbum von Marko Hefeles Violine und Percussions sowie Tomi Simatupangs Gitarre noch kongenial eingesponnen, so steht sie nun singulär im Vordergrund, ist das bestimmende Element der Lieder. Dabei wirkt sie oft ungehört zart und fragil. Das heißt aber nicht, dass die Arrangements nicht weniger verspielt sind. Doch entfalten sie ihre Wirkung nun subtiler. Das liegt auch und vielleicht vor allem am Schlagzeug von Noël Rademacher, der live schon länger fester Bestandteil der Band ist. Diese neue Dynamik von Susie Asado wurde im Studio perfekt festgehalten.

Die Konzentration auf Einzelnes prägt auch die Gastauftritte auf “Onward Aeropuerto”. So schwirrt in “Retrospective” wie aus den Tiefen des Nichts ein leicht angezerrtes Theremin (Alexander Paulick-Thiel) in den Vordergrund des Songs, dessen oszillierender Sound so unwirklich wie irritierend wirkt. So inszenieren die Trompeten von Matt Colbourn „Monstera Deliciosa“ als schmetterndes Kurt Weill- Stück. So rhythmisieren und umschmeicheln die Mitglieder der kanadischen Band “The Burning Hell” (Ariel Sharratt, Mathias Kom) drei Stücke des Albums (“Monstera Deliciosa”, “The Ballad of Johnny” und „Onward Aeropuerto“) mit ihren Instrumenten und geben ihnen einen Sound, der nicht von ungefähr an Brecht-Balladen erinnert.

Das ist seit der Erfindung der Pop-Musik der Klang der Halbwelt, des Noir und des Varietés. Und genau hier steht Susie Asado auf der Bühne, unterm Glühlampenkranz – und singt ihre Lieder, stets wachen Auges. Ist da ein Polizist im Publikum, ein Agent? – Catch me if you can!

Pressezitate:

“Mit Mädchenhaftem Charme, sprödem Gesang, zart gezupften und teilweise bezaubernd schiefen Gitarren- und Ukulelemelodien knüpft Susie Asado alias Josepha Conrad 13 folkige, verwirrend schöne Songperlen zu einem Schmuckstück, das die Sängerin der zwischen Berlin und Chicago angesiedelten Indie-Popband Crazy for Jane stolz ein gelungenes Debüt nennen darf.”
– Jacek Slaski, tip Berlin

“Leicht irrer, sehr eigener Folk mit Damengesang, den es so noch nie zu kaufen gab.”
– Intro #160

“Ich weiss zwar nicht genau, wo sie lebt, aber es ist definitiv nicht die gleiche Erde, auf der ich wandle. Susie Asado ist ganz schön weit draußen. Sie steht über den Dingen. Vermutlich bewohnt sie ein Baumhaus, weil sie nur dort Ruhe finden kann, um sich diese surrealistischen Geschichten zu überlegen. Sie erzählt viel und führt uns durch eine kulissenhafte Welt. Die Musik kommt ihren Erzählungen kaum hinterher, Susie Asado vollführt beinahe eine Spoken Word Performance und singt sehr prononciert, damit man ihr auch folgen kann. Sie singt davon, wie sehr die Enten strampeln müssen, damit das Wasser im kalten Winter auch flüssig bleibt. Davon, dass blue “in German” ein Synonym für “drunk” ist. Und diese Geschichten sind wirklich wie ein Rauscherlebnis, sie beinhalten so viele schöne schräge Bilder. Man kann nebenbei nichts anderes tun. Lieder, wie sie Filme ersetzen.”
– Kotsche, Persona Non Grata # 75

“Susie Asado braucht auf ihrem Debütalbum nur 50 Sekunden, dann hat sie einen: “I’ve been living here for years in a temporary sort of way”, singt die Wahl-Berlinerin da im Refrain. Heutzutage weiß ja fast jeder, wie das ist, wenn man nie irgendwo ankommt. Die Songwriterin hat auf ihrem Debüt “Hello Antenna” aber noch viel mehr zu erzählen. Denn ihre Sprechstimme, die irgendwo zwischen Eleanor Friedberger von den Fiery Furnaces, Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer und Grundschullehrerin changiert, rattert Ihre 13 lyrischen Kleinode nur so herunter, dass die dezente Instrumentierung aus gezupfter Gitarre, Geige, Akkordeon und Ukulele an manchen Stellen gar nicht mehr hinterherkommt. Susie Asado hat, mit etwas Fantasie, einen alternatieven Bluegrass-Soundtrack zu Michel Gondrys “Science of Sleep” aufgenommen, der gerade von seiner fast kindlichen Fiktionalität und seinem Niedlichkeitsfaktor lebt. Zum schönsten Song “Hello Antenna” gibt es sogar noch das passende Video, in dem die echte Susie am Ende mit ihrem gebastelten Alter Ego durch die Lüfte fliegt. Das darf man ruhig mal ergooglen.”
– Christoph Dorner, Intro #165

“Susie Asado heißt ein Gedicht von Getrude Stein. Dass sich die Crazy-For-Jane-Sängerin jenen Titel für ihr Soloprojekt ausgesucht hat, dürfte Fans des deutsch-amerikanischen Folk-Duos nicht überraschen. Denn Steins berühmtes Wortspiel “A rose is a rose is a rose” haben Josepha und Philipp Conrad bereits in eines ihrer charmanten Ständchen einfließen lassen. Crazy For Jane waren kürzlich auf Tour, doch mit Philipps studiumsbedingtem Umzug nach Wien hat sich die Situation der in “Berlin Song” porträtierten Geschwister verändert. Statt aber dem täglichen Austausch kreativer Gedankenblitze nachzutrauern, hat sich Josepha als Susie Asado in kurzer Zeit ein zweites Standbein geschaffen und ist seither, mit Ukulele und Debüt “Hello Antenna” im Gepäck, fast nonstop unterwegs. Ob ganz solo, in Begleitung des Violinisten Marko Hefele oder, wie bei der ersten “Berlinrevue”, mit Orchester im Rücken: Susie Asados ebenso poetische wie bizarre Anekdoten (etwa über das obskure Büro-Utensil “Tintenlumpenhand”) bezaubern in allen Arrangements.” – “Die 24 besten neuen Bands aus Berlin”,
– Markus von Schwerin, tip Berlin

“Gleich im ersten Song lädt Susie Asado zu sich nach Hause ein. This is My Address beschreibt nicht nur, wie es in der eigenen Wohnung aussieht, sondern macht klar, dass es sich hier um intime Musik handelt, an Freunde gerichtet oder an solche, die Freunde werden könnten. Susie Asado lautet der Name eines Gedichts von Gertrude Stein. Und es ist das Soloprojekt von Josepha Conrad, die fast alle Instrumente im Alleingang eingespielt hat und ihre sehr erzählerisch ausgerichteten Stücke extrem minimalistisch, manchmal nur mit Ukulele, begleitet. Erzählerisch meint hier, dass Josepha Conrad selten in klassischer Strophe-Refrain-Manier arbeitet, sondern Gesang sowie Gitarrenbegleitung der Erzählstruktur ihrer Stücke anpasst. Die Nummern erinnern bisweilen an die großartige, notorisch unterschätzte Diane Cluck. Ja, man darf das “Antifolk” nennen, falls einen solche Etiketten weiterhelfen sollten.”
– testcard #18, Martin Büsser